Monday, December 05, 2005

Referat

Alfred Radcliffe-Brown(1881-1955)


Alfred Reginald Radcliffe-Brown) war ein Pionier der britischen Sozialanthropologie und Begründer des Strukturfunktionalismus.
Leben:
Radcliffe-Brown stammte aus Birmingham und machte 1904 seinen Bachelor in Cambridge. In seiner Jugendzeit war er aktiver Anarchist. Nach seinem Studium (Psychologie & Ökonomie) widmete er sich Feldforschungen auf den Andamanen und in Westaustralien. Während des 1. Weltkrieges war er Erziehungsleiter im Königreich Tonga(Inselstaat, über 170 Inseln, östlich der Fidschi-Inseln, und südlich von Samoa im Pazifik) anschließend lehrte er an der Universität in Kapstadt, an der Unviversität von Sydney, an der Universität in Chicago und erst 1937 kehrte er nach England an die Oxford Universität zurück. (Er unterrichtete so viel Übersee da er in England Probleme mit der Engstirnigkeit des englischen Universitätswesen hatte, das nicht von den Lehren der Evolutionisten abweichen wollte und Radcliffe-Browns Methode, die sich auf die sozialen Strukturen bezog, keinen Glauben schenkte.)
Leistungen
Radcliffe-Brown befasste sich mit der zentralen Frage, ob und auf welche Weise Menschen ohne Herrschaft und ohne Staat leben können.
Beeinflusst von seinem Lehrer Emile Durkheim und den Philosophen Thomas Hobbes und Jean-Jacques Rousseau befasste er sich mit Herrschaftssystemen und Organisationsformen nicht-industrieller Gesellschaften. Radcliffe-Brown wendet sich vom Standpunkt Hobbes' (Menschen brauchen eine starke Hand, sonst kommt es zum Krieg "jeder gegen jeden." Homo homini lupus est) ab und arbeitet Rousseaus Ansätze weiter aus: Menschen können sehr gut ohne Staat miteinander leben, wenn sie sich an ein paar, einmal geschlossene Vereinbarungen halten(homo homini homo est).
Radcliffe-Brown vertritt die vergleichende Methode. Er ist der Meinung, dass man Gesellschaften, Strukturen, Bräuche, etc. am besten beschreiben kann wenn man sie miteinander vergleicht, sie in Relation stellt.
ahistorische Methode und Perspektive. Er lässt die geschichtliche Entwicklung vollkommen außer Acht.
Radcliffe-Brown wollte seine Analyse auf einem sehr abstrakten Level halten, genaue, strukturierte Theorie war ihm sehr wichtig.
Er beschäftigt sich intensiv mit Verwandschaftssystemen. African System of Kinship and Marriage, 1950







Strukturfunktionalismus:
Der Begriff Struktur wird folgendermaßen definiert: Struktur ist die Gesamtheit der sozialen Beziehungen und Interaktionen im sozialen Netzwerk einer Gesellschaft.
Hauptinteresse des Strukturfunktionalismus: gesellschaftliche Strukturen und deren Funktion verstehen. Jedes Individuum, jede Gruppe, jede Institution einer Gesellschaft interagiert in sozialen Beziehungen.
Strukturen determinieren das Verhalten der Individuen in einer Gesellschaft, um so die soziale Ordnung zu erhalten. Das Hauptziel, der eigentliche Zweck von Kultur, also Bräuchen etc., ist lediglich die Systemerhaltung.
Klassifikation von sozialen Systemen gilt als essentielle Vorraussetzung für Typologien, um menschliches Handeln zu verstehen und zu vergleichen.
Struktur einer Gesellschaft ist nur gering wandelbar, es gibt die soziale Kontinuität. Wandlungen sind ausschließlich das Ergebnis externer Faktoren.
Radcliffe-Brown sah Institutionen als Schlüssel zum Erhalt der globalen sozialen Ordnung der Gesellschaft(Gesellschaft=Organismus), analog zu den Organen des Körpers, und seine Studien der sozialen Funktion untersuchen, wie Bräuche dazu beitragen, die allgemeine Stabilität der Gesellschaft zu erhalten. Dabei ignorierte er die Effekte historischer Veränderungen völlig.(Diese Einstellung zeigt sich besonders in seinen Werken:
Feldforschung bei den Andamanen(1906-1908):
Radcliffe-Brown wählte sie aus evolutionären Gründen weil er glaubte, dass es sich hierbei um eine Gesellschaft handelt die sich auf dem niedrigsten, und primitivstem Level der Menschheit befindet. Sie waren Jäger und Sammler und lebten in kleinen Gruppen zusammen. Er erlernte nie die Sprache der Andamanen sondern arbeitete mit einem Übersetzter. Er veröffentlichte „The Andaman Islanders“ jedoch erst 1922, nachdem er seine Ergebnisse aus einem stärkeren soziologischen und gesellschaftlichen Blickpunkt überarbeitete. Hier geht er auf die Beziehung zwischen dem Denken, dem Handeln und der Meinung des Individuums und kollektiven sozialen Aktion ein.
Von 1911-1912 betrieb er Feldforschung in Nordwestaustralien, aus denen 1913 „Three Tribes of Western Australia“ und 1931 „The Social Organization of Australien Tribes“ entstand. Mit diesem Werk gelingt ihm eine klare, systematisch vergleichende Analyse sozialer Strukturen.

Kritik an Radcliffe-Brown:
Er unterlag starker Generalisierung und einem Reduktionismus(isolierte Betrachtung von Einzelelementen)
Handlungen von Individuen werden bei Radcliffe-Brown unter Normen stereotypisiert. (Individuum nur als "Rollenträger" von Interesse)
Unterschiede (zwischen Gesellschaften) und Variationen (innerhalb einer Gesellschaft) werden ignoriert.
Kultur als nicht relevant betrachtet.(rein zu Systemerhaltung)
Radcliffe-Browns statischer Blick auf Entwicklung von Gesellschaften vernachlässigt sozialen Wandel.
Das Ausmaß des Kolonialismus wird von ihm nicht thematisiert.
Hauptwerke
1913 The Three Tribes in Western Australia
1922 The Andaman Islanders
1931 The Social Organisation of Australian Tribes
1950 African Systems of Kinship and Marriage (mit C. D. Forde Hrsg.)
1951 The Comparative Method in Anthropology, Religion and Society
1952 Structure and Function in Primitive Societies
1957 Natural Science of Society

Friday, October 21, 2005

Stefanie

Stefanie Süßenbacher ist so toll!